Naturschutzgebiet Eulenbecke

Fotos: Biologische Station Oberberg (BSO)

 

In der Gemeinde Marienheide werden von der Kreisjägerschaft in einem Kooperationsprojekt mit der Biologischen Station Oberberg (Landschaftspflegeplan) das Naturschutzgebiet "Wipperaue Eulenbecke" (Größe: ca. 22 ha) im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens angekauft.

 

Unterstützt wird die Initiative - wie bereits eingangs gesagt - durch

· das Amt für Agrarordnung Siegburg / die Bezirksregierung
· den Oberbergischen Kreis
· das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW
· Gemeinde Marienheide

 

Allen Eigentümern, die von diesen Maßnahmen betroffen sind, sei für ihr Verständnis ganz besonders gedankt.


Das Naturschutzgebiet "Wipperaue Eulenbecke" (kurz: NSG "Eulenbecke") wird charakterisiert durch die naturnahe Gewässerstruktur mit teilweise gut ausgebildeten Erlensäumen.

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Erlensaum

Im östlichen Teil verläuft die Eulenbecke vorwiegend durch Nass- und Feuchtbrachen. Im gesamten Gebiet sind unterschiedliche Brachestadien vorhanden. Teilweise sind die Flächen durch Weidengebüsche oder Einzelbäume geprägt. Ein Stauteich im Nebenschluss mit Verlandungsbereich dient als wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Der westliche Teil der Aue ist vorwiegend durch waldbestandene Bereiche mit einzeln eingestreuten Feuchtbrachen und Feuchtwiesen geprägt. Aufgrund der starken Flurstückparzellierung und der relativ geringen Flurstückgrößen ist dieser Teilbereich stark strukturiert und differenziert.

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Dies zeigt sich insbesondere durch:

· häufige, kleinräumige Wechsel der Flächennutzung (Wald, Brache)
· die Geländeausformung (Tal, Böschungen, alte Schlackenhalden. Fischteiche)
· bestandsbildenden Baumarten (Eiche, Esche, Erle, Fichte, Sitka-Fichte und sonstige Nadelhölzer)
· das Bestandsalter und den Pflegezustand.

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Von besonderem Wert sind die teilweise gut ausgebildeten Erlensumpfwald-Bereiche und Feuchtwiesen.
Folgende gesetzlich geschützte Biotope (§ 62 LG NW) sind im Gebiet vorhanden:

· Auenwälder und Ufergebüsche
· Nass- und Feuchtgrünland
· Naturnahe und unverbaute Bachabschnitte
· Stehende Gewässer mit Verlandungszonen
· Waldsimsen-, Schachtelhalm- und Hochstaudensümpfe

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Totholz

Auf historische Nutzungen im Gebiet, Rest mittelalterlicherer Bergbau- und Eisenverhüttung (Roheisenhütte), weisen mehrere Gräben in den Unterhängen, Stauhaltungen, alte Schlackenhalden an einem Unterhang und auf der Talsohle sowie Schlackenreste im Bachbett hin. Die im Gelände noch erkennbaren Strukturen lassen eindeutige Rückschlüsse auf die frühere Bedeutung ("Ruhrgebiet des Mittelalters") und die intensive vorindustrielle Nutzung zu.

Naturschutzwert

Das Tal der Eulenbecke, nordöstlich Wipperfließ, ist ein Abschnitt der Wipperaue mit besonders ökologischem, landschaftlichem und kulturhistorischem Wert. Es sollte wegen seiner Bedeutung aus botanischer und zoolo-gischer Sicht sowie seiner strukturellen Ausstattung und Seltenheit erhalten und weiter entwickelt werden. Das Gebiet ist Teil des gesamteuropäischen Schutzgebietsnetz "Natura 2000" und als solches sichergestellt. Die Eulenbecke ist mit Inkrafttreten des Landschaftsplans 1 "Marienheide/Lieberhausen" als Naturschutzgebiet ausge-wiesen.

 

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Eulenbecke

Entwicklungs- bzw. Pflegeziel und Maßnahmen


Das Entwicklungsziel sollte der Erhalt und die Entwicklung einer Vielfalt an natürlichen, halbnatürlichen und naturnahen Lebensgemeinschaften sein. Bei halbnatürlichen (= anthropogenen) Biotoptypen wie Feuchtwiesen, -brachen und Stillgewässern soll durch Pflege ein weiteres Voranschreiten der Sukzession und der damit verbun-dene Verlust der Biotopqualität für an Offenland gebundene Artengruppen verhindert werden. Aus ökologischen Gründen der Erhaltung eines typischen Landschaftsbildes sollen neben Wald auch offene Flächen entwickelt und erhalten werden.

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Wurzelteller

Angestrebter Zustand ist ein für das Bergische Land typisches Wald-Wiesen-Tal, das sowohl aus naturnahem Auwald auch aus extensiv genutzten Feuchtwiesen-bereichen bzw. Hochstaudenfluren besteht. Standortfremde Nadelholzbestände sind u. E. kurzfristig bis mittelfristig aus dem Auenbereich zu entfernen bzw. ggf. eine allmähliche Umwandlung einzuleiten.

Vorgesehene Maßnahmen

Durch den Ankauf der Eulenbecke, bevorzugt des westlichen Teilbereiches, sollen Voraussetzungen für die u. E. notwendigen Maßnahmen für die Entwicklung und zukünftig für die dauerhafte Erhaltung des Gebietes im Sinne des Naturschutzes geschaffen werden. Die Biologische Station Oberberg wird im Rahmen der Schutzgebiets-Betreuung nachfolgend genannte Pflegearbeiten koordinierenPflegearbeiten koordinieren.

 

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Schlackenhalde

Umwandlung/Baumartenwechsel

Es ist vorgesehen, standortfremde und nicht standortgerechte Bestände in solche mit standortgerechten bzw. -typischen Baumarten umzuwandeln, Leitbild für den Aufbau der zukünftigen Bestände sind auf den wechselfeuchten bis staunassen Standorten im Auenbereich der Hainmieren-Erlen-Eschenwald bzw. der Winkelseggen-Erlen-Eschenwald mit einer Dominanz von Schwarzerle, auf höher gelegenen Stellen der Stieleiche-Hainbuchen-Wald mit dem Übergang an den Hängen zum Hainsimsen-Buchen-Wald. Ein Umbau sollte möglichst schonend, unter Vermeidung großfl ächiger Kahlschläge, durchgeführt werden:

· allmähliche Auflichtung
· kleinflächig Kahlschlag
· Durchforstung unter Schonung Vorhandener Mischbaumarten
· Entnahme einzelner standortfremder Gehölze (z.B. Grauerlen)

Entbuschung

Auf einigen Flächen ist die Sukzession so weit fortgeschritten, dass zum Erhalt der Offenlandfläche Entbuschungen und kurzfristige Entfernung von Fichtennaturverjüngung notwendig sind. Das Mähgut sollte entfernt und einer sinn-vollen Nutzung zugeführt werden. Die Durchführung soll gegen Kostenersatz durch Landwirte im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms oder alternativ durch die Kreisjägerschaft durchgeführt werden.

Sukzession

 Auf einigen Flächen soll nach Entfernung der Fichten die natürliche Entwicklung möglich sein.

Fauna

 In dem NSG "Eulenbecke" lässt sich ein relativ intakter Lebensraum für die Tierwelt feststellen. So leben in dem Gebiet ganzjährig oder zeitweise (als Wechselwild oder Zugvögel) folgende Tiere:

- Rehe
- Wildschweine
- Damwild (als Wechselwild)
- Hasen
- Kaninchen
- Füchse
- Dachse
- Steinmarder
- Iltis
- Bisam
- Nutria

- Schnepfen
- Enten
- Ringeltauben
- Bussard
- Rüttelfalke
- Habicht
- Fischreiher
- Enten (Stock- und Krickenten)
- Rabenkrähe
- Elstern
- Eichelhäher

Nahezu alle Singvögel, die im Oberbergischen Kreis vorkommen. Auch der wunderschöne und schützenswerte Eisvogel hat hier sein Brutgebiet